Berlin 1945

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Als im Mai 1945 die Waffen schwiegen, war es in Berlin plötzlich ganz ruhig. Nur langsam regte sich in den Trümmern neues Leben. Ein Video mit Originalmaterial dokumentiert in Farbe die surrealistische Atmosphäre zwischen Apokalypse und Neuanfang im Sommer 1945. Ein faszinierendes Stück Zeitgeschichte


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Berlin 1945. Am 8. Mai war der Krieg endlich vorbei und es war plötzlich ruhig. Die Stadt glich einer Trümmerlandschaft, isoliert vom übrigen Deutschland, von Europa, von der Welt, auch von sich selbst. Es gab kein Wasser, keinen Strom, kaum Essen, es gab keine Zeitungen. Keiner wusste, was außerhalb seines Gesichtsfeldes passierte. Die Stunde Null. Hinter Berlin lagen die schlimmsten zwei Wochen seiner Geschichte. In einem dreizehntägigen Inferno aus blutig-sinnlosen Straßen- und Häuserkämpfen und ununterbrochenen Bombeneinschlägen hatten bis zu 200.000 Rotarmisten und etwa 50.000 Deutsche ihr Leben verloren. Und die Überlebenden standen vor einer ungewissen Zukunft – völlig den russischen Besatzern ausgeliefert, deren gewalttätige, berauschte Rachsucht besonders die Frauen zu spüren bekamen. Selbstmorde waren an der Tagesordnung.




Und der Zukunft zugewandt

Und doch regte sich schnell neues Leben in den Trümmern. Und mit dem Ende des Krieges auch bei vielen das freudige Staunen über das Überlebthaben, das Gefühl, noch einmal eine neue Chance erhalten zu haben. In den ersten Wochen erbrachten die Berliner eine enorme Aufbauleistung. Schon am 21. Mai titelte die erste Nachkriegszeitung, die „Berliner Zeitung“: „Berlin lebt auf!“. Unter Leitung der sowjetischen Militärhabern und des ersten Bürgermeisters Generaloberst Bersarin wurden elementare Versorgungseinrichtungen wie Strom, Gas und Wasser wieder instandgesetzt. Ein neuer Magistrat nahm seine Arbeit auf. Im Juni wurden erste politische Parteien wieder zugelassen. Gefördert von den Besatzern entstand eine boomende Kulturszene; Theater und Konzerte waren überfüllt und korrespondierte mit der Sehnsucht der Bevölkerung nach neuem Sinn und neuen Lebensinhalten. So waren nicht nur Hunger, Obdachlosigkeit und Gefühl des Ausgeliefertseins, sondern auch die Hoffnung auf ein neues und anderes Leben kennzeichnend.

Auferstehung aus Ruinen.

Der Münchner Christoph Marx ist Publizist und Lektor und lebt in Berlin. Er arbeitet als Autor und Redakteur für viele namhafte Verlage und veröffentlichte bzw. verantwortete inhaltlich zahlreiche Werke, v.a. zu historisch-politischen, gesellschaftlichen, sportlichen und kulturellen Themen.Referenzliste unter Autor und Redakteur/Lektor.

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