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Dass sich die Art und Weise, wie wir mit unserer Umwelt interagieren und begegnen über die Jahrhunderte verändert und gewandelt hat steht außer Frage, denn unserer Perspektive, also wie wir die Welt sehen, hängt stark von unserem sozialen Umfeld ab. Und das hat sich geändert.

Hierzu gehört auch die Technik. So lässt sich heute, zum Beispiel, in Echtzeit die Krise in Myanmar aus Europa verfolgen während man gleichzeitig an der Wall Street Aktien kauft. Denkt man zehn bis fünfzehn Jahre zurück, so war die auch alles möglich, aber eben mit einer deutlichen zeitlichen Verzögerung, vor fünfzig Jahren ging dies nur schwerlich. Diese Merkmale der Globalisierung dienen der Verdeutlichung des sozialen Wandels, der eben auch unsere Aufmerksamkeit beeinflusst.

2015 wurde in der Presse viel über eine Studie berichtet, die unsere Aufmerksamkeitsspanne mit acht Sekunden berechnete. Über die vergangenen Jahre zeigt sich, dass die Studie und Berichterstattung als Ente zu verstehen sind. Jedoch lässt sich anhand ein paar Beispiele argumentieren, dass unsere Aufmerksamkeitsspanne über die Jahrhunderte mit dem immer komplexeren Leben immer kürzer wurde.

James Bond und das Spiel

Betrachtet man, zum Beispiel, die Evolution des Lieblingsspiels des Pop-Phänomens James Bond zeigt sich ein Wandel der auch mit einer Vereinfachung und zeitlichen Reduktion einhergeht. Als James Bond Anfang der fünfziger Jahre ‚zur Welt kommt‘ ist das Spiel seiner Wahl Bakkarat, mit dem Wandel der Zeit hat sich die Franchise mittlerweile die populäre Poker form Texas Hold’Em zu eigen gemacht. Wirft man einen Blick in die Regeln des alten Spiels, zeigt sich, dass es im Vergleich zu Texas Hold’Em etwas komplexer ist, zeitintensivere Runden hat und auch ein Unentschieden möglich ist. Ein Ausgang bei dem keiner gewinnt entspricht natürlich nicht der Schnelllebigkeit unserer Gesellschaft. Natürlich spielen beim Popularitätswechsel von Spielen auch ganz andere Faktoren eine Rolle, jedoch unterstützt dieser Wandel auch die Hypothese, dass wir mehr ‚Spaß‘ an schnelleren Resultaten haben und somit unsere Geduldige und Fähigkeit auf etwas zu warten gesunken ist.

Shakespares Witz

Ein weiteres und wunderbares Beispiel, der die Hypothese des Wandels unserer Aufmerksamkeitsspanne in einem weitaus größeren Zeitraum als Bakkarat unterstützt, ist der Humor in den Stücken von William Shakespeare. Hier haben wir eine direkte Übermittlung von dem was die Menschen im 16. Jahrhundert lustig fanden, denn hierfür gibt es ein paar zeitgenössische belege. Wir können also mit einer relativen Sicherheit sagen, dass die Witze von vor über 400 Jahren nicht gut gealtert sind, denn heutzutage bringen diese fast keinerlei Lacher mehr. Zum einen liegt dies vermutlich an dem Inhalt, zum anderen aber eben auch an dem Format, beziehungsweise an der Länge des Witzes. Vergleicht man diesen mit einem ‚erfolgreichen‘ Witz des 20. oder 21. Jahrhunderts, zeigt sich, dass der Gedankengang bis zur Pointe bei Shakespeare deutlich länger ist.

Selektive Aufmerksamkeit

Eine Theorie hinter der Reduzierung unserer Aufmerksamkeitsspanne liegt in der allgemeinen menschlichen Fähigkeit seine Aufmerksamkeit auf spezifische Objekte zu richten und dabei alles andere zu ignorieren. In der Psychologie wird dies als selektive Aufmerksamkeit bezeichnet, dies ist ein überlebenswichtiges, evolutionäres System, um mit den Anforderungen unserer Umwelt zurecht zu kommen. Dabei geht es darum, sich wichtigen Handlungsabläufen ohne Unterbrechung widmen zu können. Nun wird diese nur unterbrochen, wenn es zu einem offensichtlich lebensgefährlichen Ereignis kommt. Über die Zeit haben sowohl die überlebenswichtigen Handlungen sowie die lebensgefährlichen Ereignisse in unserem Leben stark abgenommen. Zudem haben die externen Reize, die nach unserer Aufmerksamkeit buhlen stark zugenommen. Und warum sollte der Mensch sich nicht an diese Entwicklung anpassen und deutlich flexibler mit der eigenen Aufmerksamkeit umgehen.