Friedrich der Große

Friedrich II., Gemälde von Anton Graff, 1781. wikimedia

Zynischer Machtpolitiker, feinsinniger Schöngeist, Aufklärer, Volksheld: Der preußische König Friedrich II. (1740-1786) war eine schillernde Persönlichkeit. Der „Alte Fritz“ war so widersprüchlich wie sein Königreich, dessen Aufstieg zur zweiten deutschen Großmacht er mit seiner rücksichtslosen Eroberungspolitik einleitete. Ein Kurzporträt.

„Täglich bekomme ich Schläge, ich werde behandelt wie ein Sklave und habe nicht die mindeste Erholung. Man verbietet mir das Lesen, die Musik, die Wissenschaften, ich darf mit niemanden mehr sprechen, bin von lauter Aufpassern umgeben“. Der feingeistige Friedrich litt in seiner Kindheit traumatisch unter den harschen Erziehungsmethoden seines Vaters, der ihn mit allen Mitteln zu einem tüchtigen Soldaten drillen wollte. Mit 18 Jahren plante er mit einem Freund die Flucht nach England, die aber misslang. In der Folge unterwarf er sich dem Willen des Vaters, ohne seinen künstlerischen Neigungen abzuschwören.

Schöngeist und Hundefreund

Friedrich hatte ein großes Talent in schöngeistigen Dingen. Er war ein sehr begabter Flötenspieler, liebte Sprachen, besonders dem Französischen war er zugetan. Auf Schloss Rheinsberg und später auf Schloss Sanssouci in Potsdam traf sich Friedrich regelmäßig mit Gästen zum Musizieren oder zum geistreichen Gespräch über Wissenschaft, Literatur und Philosophie; am bekanntesten ist sein jahrelanger Kontakt mit dem französischen Aufklärer Voltaire, aus dem auch Friedrichs berühmter aufklärerischer Essay hervorging: der „Anti-Machiavel“. Aber Friedrich war auch den weltlichen Genüssen zugetan. Er hatte Spaß an Luxus; auch war er ein maßloser Esser. Mit seiner Ehefrau Elisabeth Christine pflegte Friedrich dagegen eine offene Nichtbeziehung. Bereits zu Lebzeiten war Friedrichs Privatleben beliebtes Klatschthema. Bis heute reichen die Spekulationen von Geschlechtskrankheit bis zu homosexueller Neigung. Wirklich geliebt hat Friedrich seine Hunde, seine berühmten Windhunde, die überall in Sanssouci Zugang hatten: im Park, zu Tisch und auch im königlichen Schlafgemach. Die Hunde waren Friedrich immer näher als die Menschen.


Friedrich der Große Sinfonie Nr 3 D Dur Il Rè pastore

Menschenfreund und Zyniker

Dabei war Friedrich sehr wohl am Wohl seines Volkes interessiert; gerade bürgerliche Kreise verbanden mit ihm die Hoffnung auf mehr Freiheit. Und tatsächlich waren seine ersten Proklamationen kurz nach seinem Machtantritt radikal aufklärerisch: Er verbot gänzlich die Folter, in Europa bis dahin fast undenkbar, er sicherte allen Religionen Toleranz zu und erlaubte der Presse Meinungsfreiheit – zumindest auf dem Papier.

Auch reiste der „erste Diener des Staates“, wie sich Friedrich selbstlos bezeichnete, nach 1760 fast rastlos durchs Land, um die Modernisierung der Infrastruktur zu überwachen und die Ernährungslage der Bevölkerung zu verbessern. Legendär sein – allerdings zunächst nicht recht erfolgreiches – Werben für die Kartoffel. Allerdings entsprangen diese Handlungen wesentlich auch seinem schlechten Gewissen. Denn dass das Land so am Boden lag, hatte er mit seinen Kriegen allein zu verantworten.

Fürchtete sich Friedrich noch in jungen Jahren vor dem Kanonenfeuer, war Friedrich später des Vaters bester Schüler: Kriegführen wurde Friedrichs größte Leidenschaft. Ohne irgendwelche Skrupel fiel er in Schlesien ein und löste damit eine Reihe von Kriegen mit Österreich und Russland aus. Er selbst befehligte in der Regel die Truppen, wobei er kühn und wagemutig, teils wie ein Hasardeur, wie ein Spieler vorging. „Alles oder nichts“ war sein Motto.

Dass Preußen am Ende als Gewinner dastand und zu einer anerkannten Großmacht wurde, lag neben der enormen Schlagkraft der preußischen Armee vor allem auch – an unverschämtem Glück. Damit hatte Friedrich das erreicht, was er ungewöhnlich offenherzig am Anfang als Motiv für seine Angriffskriege anführte: Er wollte berühmt werden. Bis zuletzt sah sich Friedrich als Freigeist, der sich größstmöglich von seinem Vater abheben wollte. In seinem politischen Testament von 1752 verfügte er, nicht neben seinem verhassten Vater beerdigt zu werden: „Ich habe als Philosoph gelebt und will als solcher begraben werden, ohne Pomp und ohne Prunk. Man bringe mich beim Schein einer Laterne und ohne dass mir jemand folgt nach Sanssouci und bestatte mich dort ganz schlicht auf der Höhe der Terrasse, rechterhand, wenn man hinaufsteigt, in einer Gruft, die ich mir habe herrichten lassen.“

Erst 1991, im wiedervereinigten Deutschland, wurde sein Wunsch erhört und seine sterblichen Überreste nach Sanssouci überführt. Auf dem Grab steht schlicht und einfach sein Name: „Friedrich der Grosse“.

Der Münchner Christoph Marx ist Publizist und Lektor und lebt in Berlin. Er arbeitet als Autor und Redakteur für viele namhafte Verlage und veröffentlichte bzw. verantwortete inhaltlich zahlreiche Werke, v.a. zu historisch-politischen, gesellschaftlichen, sportlichen und kulturellen Themen.Referenzliste unter Autor und Redakteur/Lektor.

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