James Bond in „Goldfinger“

War Bond in seinen ersten beiden Filmen ein mehr oder wenig großer internationaler Überraschungserfolg, löste der dritte Bondfilm 1964 eine weltweite „Bondmania“ aus, eine unglaubliche Euphorie um den coolen Geheimagenten Bond, weltweit – von Feuerland bis Japan: „Goldfinger“ ist bis heute DER klassischste James-Bond-Klassiker schlechthin und derjenige, der in Machart und Style eine Blaupause für die weiteren Filme war:  ein überlebensgroßer diabolischer Bösewicht  im Verbund mit gefährlichen Helfershelfern, von Bond zur Strecke gebracht in abenteuerlichen Verfolgungsjagden, mit Hilfe technischer Spielereien und nachdem Bond die Herzen einiger Frauen erobert hatte. Das alles inszeniert in den surrealistischen Bauten des genialen Setdesigners Ken Adam und getrieben von den grandiosen Kompositionen eines John Barrys. Die schon immer prinzipiell  “larger than life“ angelegten Filme wurden mit der Zeit gigantomanisch, James Bond mutierte zu einem Superman, der mit ausgefeilter Technik die Welt vor immer neuen Schurken rettete. Das wurde Connery 1967 zu viel. Er verlor die Lust am Bond-Dasein und verließ die Serie. Mit dem Ausscheiden von Connery stand die Bond-Reihe vor ihrem ersten Bruch, zumal sich mit dem Aufkommen der 1968-Bewegung die gesellschaftliche Grundströmung änderte. Dem machohaften Weltretter drohte auch der kulturelle Resonanzboden wegzufallen.

Bond wird zur Familienunterhaltung

Bis Mitte der 1970er-Jahre war es nicht sicher, ob die Serie unabhängig von Connery überleben und sich der neuen Zeit anpassen konnte. Nach einem einmaligen Gastspiel des australischen Models George Lazenby 1969 und einer sehr kostspieligen, ebenfalls einmaligen Rückkehr Connerys 1971, übernahm 1973 mit Roger Moore ein britischer Schauspieler den Topact. Moore brachte verstärkt Selbstironie und Humor in die Bond-Filme ein und konnte damit ein neues Publikum für 007 gewinnen. Insbesondere der 1977 gedrehte Blockbuster „Der Spion, der mich liebte“ gilt als Musterbeispiel für den neuen leichten Ton der Filme. Diese lebten zwar mehr denn je von unglaublichen Stunts und exotischen Drehorten, ähnelten inhaltlich aber verstärkt  Comics und wandelten sich vom Agententhriller zum komödiantischen Abenteuerfilm, kurz:  zum Märchenfilm für Erwachsene. In  Zeiten von Entspannungspolitik und friedlicher Koexistenz zwischen Ost und West überlebten die Bondfilme mit Roger Moore nicht zuletzt auch als Parodie ihrer selbst. Auch die Rollen der Bond-Girls, der weiblichen Hauptrolle, passten sich dem emanzipatorischen Zeitgeist der Frauenbewegung an. Wurden sie in der Anfangszeit mehrheitlich als  bikinitragende Schönheiten inszeniert, die dem Helden klar unterlegen waren, agierten sie nun mit Bond auf Augenhöhe. Wenn sie auch schließlich Bonds Charme verfielen. Als Roger Moore 1985 altersbedingt aufhörte, versuchten die Produzenten mit der Verpflichtung Timothy Daltons 1987 wieder einen ernsteren Ansatz zu verfolgen. Ein Vorhaben, das  aber 1989 zunächst durch langwierige juristische Probleme und vor allem durch den epochalen politischen Wandel gestoppt wurde.

Die dritte Seite behandelt die Übergangszeit mit Brosnan bis zur Neudefinition der Rolle durch Craig

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