Der Bond des 21. Jahrhunderts

Wie konnte ein Bondfilm nach dem Zusammenbruch des Kommunismus aussehen? Welche Aufgabe konnte  der Held der freien Welt in der neuen Weltunordnung spielen, dieser „sexistische, frauenfeindliche Dinosaurier“, wie die Bond-Macher mit den Worten der neuen Geheimdienstchefin M die allgemeinen Zweifel in dem Film „Goldeneye“ selbstironisch aufgriffen? Mit dem irischen Beau Pierce Brosnan wurde 1995 ein langjähriger Favorit als neuer Bond gekürt. Er brachte den klassischen Bond in Anlehnung an Connery und Moore wieder ins Gedächtnis der neuen Kinogeneration. Bis 2002 drehte er insgesamt vier erfolgreiche  Filme, konnte  dabei aber kein eigenes Profil entwickeln. Trotz aller spektakulären Stunts, Explosionen und allem Bombast boten die postmodernen Brosnan-Bonds nur noch wenig Überraschungen und drohten als „Hommage an die Hommage“ an den eigenen Traditionen zu ersticken und in die kulturelle Belanglosigkeit zu fallen. Bond befand sich in der Sackgasse.

Porträt von Daniel Craig

Der neue Bond in der „brave new world“: Daniel Craig. 360b / Shutterstock.com

Der „Klo-Bond“ Daniel Craig

Trotz der Erfolge erkannten die Macher die kreative Krise. Als sie nach Jahren die Rechte zu dem ersten Bond-Roman „Casino Royale“ zugesprochen bekamen, entschieden sie sich 2005 sehr mutig  für einen radikalen inhaltlichen Neustart der Serie.  Bis dahin unantastbare Drehbuch-Rituale wie der ewige Flirt Bonds mit Miss Moneypenny und die Spielzeuge aus der Q-Waffenschmiede wurden fallen gelassen und mit Daniel Craig ein ausgewiesener Charakterschauspieler als Bond engagiert, der die Figur zum ersten Mal wirklich menschlich darstellte und ihr einen gewissen Tiefgang verlieh. In „Casino Royale“ von 2006  wurde erzählt, wie Bond zu dem Überbond mutierte, als den wir ihn kennen. Der Film zeigte Bond als Mensch mit Gefühlen, als Killer mit Fehler, blieb aber gleichzeitig mit atemberaubenden Stunts und „larger than life“-Szenarien immer als Bondfilm erkennbar. „Casino Royale“ wurde von Kritikern wie Publikum bejubelt und machte die Figur wieder interessant. „Skyfall“, der Jubiläumsbond aus dem Jahr 2012, war der kommerziell erfolgreichste Bondfilm der Serie. Er spielte weltweit mehr als eine Milliarde Dollar ein. Bond ist populärer als jemals zuvor. Mehr denn je hat der Schlusssatz im Abspann jedes Bonds-Films Gültigkeit: „James Bond will return“.  Wie auch immer.

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