Lessing Gemälde

Anton Graff, Gotthold Ephraim Lessing (1771), gemeinfrei

„Miss Sara Simpson“, „Nathan der Weise“: Generationen von Schülern lernen Lessing als grundvernünftigen Aufklärer und Lehrer von Toleranz in der Schule lernen. Dabei war er ein Abenteurer, der Exzesse suchte. Und er spielte – bis in den Ruin…
Lessing war ganz anders, als ihn Generationen von Schülern im Deutschunterricht bis heute in seinen Werken kennenlernen. Der große Schrifsteller des 18. Jahrhunderts war ein Rationalist und hinterließ uns an der Schwelle zur Moderne mit seiner Schrift „Die Erziehung des Menschengeschlechts“ (1780) eine erste große Erzählung der Aufklärung. Sie kündigte mit großen Worten das neue Zeitalter der Vernunft an: „[Sie] wir kommen, sie wird gewiß kommen, die Zeit der Vollendung, da der Mensch, je überzeugter sein Verstand einer immer bessern Zukunft sich fühlet, von dieser Zukunft gleichwohl Bewegungsgründe zu seinen Handlungen zu erborgen, nicht nötig haben wird.“

„Die Schlechtigkeit der Zeit“
Lessing sprach allerdings von der Zukunft und – er sprach nicht von sich. In der komplizierten Gegenwart des Mitte des 18. Jahrhunderts war für Lessing gar nichts vernünftig. Er mäkelte an allem und jeden heran, kritisierte, polemisierte gegen Zustände und Menschen, ohne Rücksicht auf Verluste. Sein Zeitgenosse, ein gewisser Johann Wolfgang von Goethe, machte die „Schlechtigkeit der Zeit“ dafür verantwortlich, dass Lessing immer überall aneckte. Lessing gilt als erster freier Schriftsteller, Autor und Journalist, eine Berufsgattung, die es bis dahin eigentlich nicht gab. Denn die bürgerliche Öffentlichkeit, die diesen Berufsstand überhaupt ersthervorbrachte, war erst am Entstehen. Und einer, der diese kritische Öffentlichkeit schuf, war Lessing. Mehr schlecht als recht verdingte er sich u.a. in Berlin als Schreiberling für die Vossische Zeitung. In heutigen Begriffen wäre er wohl als Feuilletonisten bezeichnet worden.

Essen, trinken – und spielen
Wenn die Tagesarbeit am Schreibtisch verrichtet ist, war er gerade in jungen Jahren gern gesehener Gast in den Wirtshäusern. Er trank und aß gerne und viel. Er „gefiel sich in einem zerstreuten Wirtshaus- und Weltleben“, tadelte der große Dichterfürst aus Weimar. Vor allem aber trieb ihn eine tiefe Spielleidenschaft, die ihn immer wieder in schwere Geldnöten trieb. Gerne hätte Lessing , wie heute im Internetzeitalter üblich, etwa einen Zodiac Casino Bonus angenommen, aber kostenloses Zusatzgeld gab es für Lessing selten. Er selbst hielt seinen Spieltrieb sogar für gesundheitsfördernd, genau für psychologisch reinigend: „Wenn ich kaltblütig spielte, würde ich gar nicht spielen; ich spiele aber aus Grund so leidenschaftlich. Die heftige Bewegung setzt meine stockende Maschine in Tätigkeit und bringt die Säfte in Umlauf; sie befreit mich von einer körperlichen Angst, die ich zuweilen leide.“

Quellen:
Wilhelm von Sternburg, Gotthold Ephraim Lessing, Hamburg 2010.
Manfred Koch, Der gelangweilte Gott, in NZZ, 14.3.2009. URL: https://www.nzz.ch/der_gelangweilte_gott-1.2195406
Jakob Augstein: Die gelehrten Sachen – Gotthold Ephraim Lessing 1729-1781, in: Hans-Jürgen Jacobs (Hg.), Das Gewissen ihrer Zeit – Fünfzig Vorbilder des Journalismus, 24-28.

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Der Münchner Christoph Marx ist Publizist und Lektor und lebt in Berlin. Er arbeitet als Autor und Redakteur für viele namhafte Verlage und veröffentlichte bzw. verantwortete inhaltlich zahlreiche Werke, v.a. zu historisch-politischen, gesellschaftlichen, sportlichen und kulturellen Themen.Referenzliste unter Autor und Redakteur/Lektor.

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