Berlin 1936

Screenshot Video Berlin 1936

Anlässlich der Olympischen Spiele im Jahr 1936 gaukelten die nationalsozialistischen Machthaber  dem internationalen Publikum heitere Normalität in Berlin vor. Ein bemerkenswertes Video mit Originalaufnahmen zeigt in Farbe ein Berlin der Vorkriegszeit, das es nicht mehr gibt. Faszinierender Einblick in eine versunkene Stadt.


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Berlin 1936: Eine Großstadt scheinbar in Frieden mit sich selbst. Die Bevölkerung satt und zufrieden. Seit drei Jahren sind die Nationalsozialisten an der Macht; die turbulente Zeit der Errichtung der totalitären Diktatur, die Zeit der „wilden“ KZs und scheinbar willkürlichen Verfolgungen scheint vorbei zu sein. Die Verdrängung der Juden aus dem öffentlichen Leben war durch die Nürnberger Gesetze 1935 bürokratisiert und dadurch in den Alltag integriert worden. Durch die Einführung der Wehrpflicht und des Reichsarbeitsdienstes war die Arbeitslosigkeit quasi auf Null reduziert worden. Die in der „Deutschen Arbeitsfront“ (DAF) zwangsorganisierten Wirtschaftstätigen wurden ruhig gehalten, indem die Arbeitnehmer teilweise üppigen Lohnzuwachs, Kündigungsschutz und bezahlten Urlaub erhielten. Die DAF-Organisation „Kraft durch Freude“ organisierte neben Kulturveranstaltungen preiswerte Erholungsreisen. Dem durchschnittlichen, sich mit dem Regime arrangierenden Deutschen ging es besser als in den Zwanzigern.

Olympische Propagandashow

Dazu kamen die Olympischen Spiele in Berlin in diesem Jahr, die dem nationalsozialistischen Regime die Möglichkeit gab, sich internationale Anerkennung zu erwerben. Mit Fakellauf und den bekannten suggestiven Filmen von Leni Riefenstahl wurden die Olympischen Spiele zu einem Fest der Propaganda. Das Ausland war beeindruckt, zumal zur Zeit der Olympischen Spiele die Schilder „Für Juden verboten“ kurzzeitig aus der Öffentlichkeit verschwanden und auch das antisemitischen Hetzblatt „Der Stürmer“ wurde vorübergehend nicht verkauft. Die Tarnung gelang.

Vorbereitung für den Krieg

Währenddessen lief im Hintergrund die Aufrüstung weiter. Ein Vierjahresplan gab Hermann Göring freie Hand zur Verstärkung der Streitkräfte. Im März waren deutsche Soldaten in das entmilitarisierte Rheinland einmarschiert und hatten damit den Versailler Vertrag und den Vertrag von Locarno gebrochen. Die Reaktion der Westmächte blieb aus. Hitler wurde so weiter in der Annahme bestärkt, die Staaten Europas würden seine Expansionspolitik zumindest tolerieren. Drei Jahre später überfiel Hitler Polen und löste damit in Europa einen Flächenbrand aus, an dessen Ende auch Berlin in Trümmern lag.

Der Münchner Christoph Marx ist Publizist und Lektor und lebt in Berlin. Er arbeitet als Autor und Redakteur für viele namhafte Verlage und veröffentlichte bzw. verantwortete inhaltlich zahlreiche Werke, v.a. zu historisch-politischen, gesellschaftlichen, sportlichen und kulturellen Themen.Referenzliste unter Autor und Redakteur/Lektor.

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