WM 1982 spanien

Die Deutschen machten sich bei der WM 1982 keine neuen Freunde /Shutterstock

Der Skandal von Gijon und ein brutales Schumacher-Foul ramponierten den Ruf des deutschen Fußballs bei der WM 1982 in Spanien nachhaltig. Daran konnte auch die Finalteilnahme nur wenig ändern. 


Michael Schanze – Ole Espana 1982 – MyVideo

“Olé Espana” trällerten 1982 erwartungsvoll die deutschen Mannen auf der obligatorischen WM-Platte. Die Elf von Jupp Derwall hatte auch allen Grund, für das Turnier in Spanien optimistisch zu sein: amtierender Europameister, dazu eine glänzende Qualifikation gespielt, nur Siege und ganze drei Gegentore. Doch weniger mit tollem Spiel, mehr mit Peinlichkeiten und Skandalen erregte die deutsche Mannschaft in Spanien Aufsehen. Dass am Ende sogar die Finalteilnahme heraussprang, geriet dabei fast zur Randnotiz.

Die Schande von Gijon – ein “Fußball-Porno”

Das Auftaktspiel war ein Paukenschlag. Die deutsche Truppe verlor sang- und klanglos mit 1:2 gegen drittklassige Algerier. Schon im Vorbereitungslager am Schluchsee – schnell in „Schlucksee“ umgetauft – war es drunter und drüber gegangen. Unter der fachkundlichen Leitung von Paul Breitner frönte man dort vor allem dem Alkohol und dem Kartenspiel. Der eigentliche Skandal, die „Schande von Gjion“ sollte aber noch folgen. Im letzten Gruppenspiel gegen Österreich reichte beiden Mannschaften ein knapper deutscher Sieg, um weiterzukommen und die Algerier aus dem Turnier zu schmeißen. Das Wunschergebnis war schnell perfekt. Horst Hrubesch köpfte bereits nach zehn Minuten das 1:0. Was folgte, war ein gegenseitiger „Nichtangriffspakt“. 80 Minuten Alibi-Querpässe und Rückpässe zum Torwart. Ein einziges Desaster! Deutsche und österreichische Moderatoren weigerten sich, das Spiel weiter zu kommentieren. Aufgebrachte algerische Fans wedelten mit Geldscheinen auf der Tribüne. Zeitungen sprachen später von einem „Fußball-Porno“ – eine spanische Boulevardzeitung brachte den Spielbericht sogar in den Polizeinachrichten unter.

Schumachers Foul gegen Battiston

Beim nächsten Spiel warfen die deutschen Spieler zur Entschuldigung rote Rosen ins Publikum. Kaum war die Aufregung ein wenig abgeebbt, da sprang Harald Schumacher im Halbfinale gegen Frankreich den heranstürmenden Battiston brutal um. Der Franzose zog sich eine schwere Gehirnerschütterung und einen Wirbelbruch zu. Doch nix war mit Entschuldigen, Schumacher machte neben dem Verletzten Aufwärmübungen und hatte auch später nur zynische Kommentare parat. Der hässliche Deutsche feierte traurige Auferstehung.

Mit Kampf ins Finale

Da half es auch wenig, dass die deutsche Elf im Halbfinale ihr mit Abstand bestes Spiel ablieferte und in der Verlängerung nach einem 1:3 noch mit unglaublichem Willen den 3:3-Ausgleich schafften. Durch einen tollen Fallrückzieher von Klaus Fischer. Im dramatischen Elfmeterschießen verloren die Franzosen Nerven und versemmelten einen Elfer mehr als die Deutschen. Deutschland war im Finale, aber noch nie war ein Finalteilnehmer beim Publikum so unbeliebt.

Gegen Italien hatte dann auch die Derwall-Elf nicht die Hauch einer Chance und verlor gegen Italien mit 1:3. Italien war verdient zum dritten Mal Weltmeister geworden. Sie hatten Titelverteidiger Argentinien besiegt und im besten Spiel des Turniers den haushohen Favoriten Brasilien mit seinen Stars Zico und Sokrates 3:2 geschlagen. Alle drei Tore schoss Paolo Rossi, der mit sechs Toren zum Torschützenkönig und Helden der WM wurde. Dabei war sein Einsatz vor der WM in Italien höchst umstritten. Wegen angeblichem Wettbetrug war er zwei Jahre vom Verband gesperrt worden und hatte vor dem Turnier kaum Spielpraxis. Dazu machte die Regenbogenpresse ihn in der Vorrunde zum allgemeinen Gespött: Sie dichtete ihm eine homosexuelle Beziehung mit seinem Teamkollegen Cabrini an.

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Der Münchner Christoph Marx ist Publizist und Lektor und lebt in Berlin. Er arbeitet als Autor und Redakteur für viele namhafte Verlage und veröffentlichte bzw. verantwortete inhaltlich zahlreiche Werke, v.a. zu historisch-politischen, gesellschaftlichen, sportlichen und kulturellen Themen.Referenzliste unter Autor und Redakteur/Lektor.

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