Deutsche Mannschaft mit Hitler-Gruß

Die großdeutsche WM-Mannschaft vor dem Spiel gegen die Schweiz mit dem Hitler-Gruß, 4.6.1938. akg-images / Imagno

Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs erlebte das großdeutsche Nazireich in Frankreich sein fußballerisches Waterloo. Dafür siegten die Italiener. Brillant spielten allerdings nur die Brasilianer, teilweise auch ohne Schuh.

Die Weltmeisterschaft in Frankreich 1938 war eigentlich eine Europameisterschaft. Außer Brasilien blieben alle südamerikanischen Mannschaften zu Hause, beleidigt, dass das Turnier nicht auf ihrem Kontinent stattfand. 15 Länder spielten zum ersten Mal im reinen K.o-System den Sieger aus. Politisch hatte die aggressive Expansionspolitik Hitlers in Europa Folgen. Das österreichische Team hatte sich sportlich qualifiziert, wurde aber mit der deutschen zu einer „großdeutschen“ Mannschaft zwangsfusioniert. Ein neuer Trainer sollte für die Nazis die Fußballwelt erobern: Sepp Herberger.

Nazidebakel

Aber Nazi-Deutschland erlebte bei der WM sein Waterloo. Herberger konnte auf die Schnelle die eingespielten Mannschaften aus Deutschland und Österreich nicht zum politisch gewollten Superteam verschmelzen. Bereits im ersten Spiel kam das schmachvolle Aus. Nach einem peinlichen 1:1- Unentschieden gegen die Schweiz setzte es im Wiederholungsspiel eine heftige 2:4-Niederlage. Der Rest der Fußballwelt freute sich diebisch – blanker Hass war der großdeutschen Mannschaft bereits im Stadion entgegengeschlagen. Tomaten, Eier und Flaschen prasselten beim Einlaufen auf die deutschen Spieler nieder.

Erster Samba-Fußball

Dafür begannen bei dieser WM die Brasilianer zu zaubern. Überragender Star des Turniers war der schwarze Superstürmer Leonidas da Silva, Spitzname: „schwarzer Diamant“. Im Spiel gegen Polen (6:5 n.V.) spielte er seine Gegner schwindlig und erzielte vier Tore. Als es nicht aufhören wollte zu regnen und der Platz rutschig wurde, staunten die Zuschauer nicht schlecht: Er entledigte sich kurzerhand seiner Schuhe und Stutzen und spielte einfach barfuß weiter. Und schoss sogar ein Tor. Nur der Schiedsrichter fand das gar nicht lustig und zwang den Fußballartisten, seine Treter wieder anzuziehen.

Die Italiener hatten die Hosen an

Die Brasilianer begeisterten die Zuschauer, Weltmeister wurden sie aber noch nicht. Im Halbfinale unterlag die Selecao den Italienern mit 1:2. Der Trainer wechselte die halbe Mannschaft durch – Leonidas sollte für das Finale geschont werden. Er verwirrte damit allerdings mehr die eigene als die gegnerische Mannschaft. Eigentlich hatte nur der Italiener Gisueppe Meazza einige Probleme. Ihm war im Spiel das Hosengummi gerissen. Als er zum Elfmeter antrat, rutschte ihm sogar die Hose herunter. Doch er ließ sich nicht beirren: Mit der linken Hand an seiner Hose nahm er kurzen Anlauf. Und alles ging gut: Der Schuss saß und die Hose blieb an ihrem Platz.

Im Endspiel besiegten die Italiener Ungarn mit 4:2 und verteidigten als erstes Team ihren Titel. Und im Gegensatz zu 1934 erwies die ganze Fußballwelt der Squadra Azzura Respekt. Trainer Pozzo ging sogar in die Geschichte ein: Er ist bis heute der einzige Trainer, der zwei WM-Titel gewinnen konnte.

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Der Münchner Christoph Marx ist Publizist und Lektor und lebt in Berlin. Er arbeitet als Autor und Redakteur für viele namhafte Verlage und veröffentlichte bzw. verantwortete inhaltlich zahlreiche Werke, v.a. zu historisch-politischen, gesellschaftlichen, sportlichen und kulturellen Themen.Referenzliste unter Autor und Redakteur/Lektor.

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