Vor fast genau 73 Jahren fügte Japan der US-Marine in Pearl Harbor eine katastrophale Niederlage zu. Ein traumatisches Erlebnis für die USA und ein entscheidender Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg. Erst jetzt traten die USA offiziell in den Krieg und der Kampf um die globale Neuordnung der Welt begann – mit allen Mitteln. 

Sonntagmorgen, 7. Dezember 1941 in Pearl Harbor. Um 7:48 bricht über den größten Flottenstützpunkt der US-Marine in Hawaii ein Inferno herein, nach dem die Welt nicht mehr so ist wie zuvor. Ohne Kriegserklärung greifen japanische Flugzeugverbände in zwei Wellen die US-Marinebasis an. Die Kämpfe dauern nur 90 Minuten, doch die Verluste sind immens – über 2000 Tote und fast 1300 Verwundete haben die Amerikaner zu beklagen. Politisch ist der Angriff ein entscheidender Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg. Einen Tag nach dem Angriff stand die USA offiziell mit Japan im Krieg, wenig später solidarisierte sich das Deutsche Reich mit Japan und erklärte ihrerseits den USA der Krieg. Die militärischen Konflikte in Europa und Asien verbanden sich erst jetzt wirklich zu einem einzigen globalen Krieg, der 1945 in der völligen Neuordnung der Welt endete.

Japanische Aggression

Der Angriff auf Pearl Harbor war der vorläufige Höhepunkt einer langjährigen aggressiven Expansionspolitik Japans. Ab Anfang des 20. Jahrhunderts hatten in Japan nationalistisch-rassistische Kräfte immer mehr an Einfluss gewonnen. Unter dem Schlagwort der „Großasiastischen Wohlstandszone“ strebte Japan offen nach der politisch-ökonomischen Vorherrschaft im gesamten asiatischen Raum. Der Anspruch richtete sich in den 1930er-Jahren zuvorderst gegen China, den Hauptrivalen auf dem Festland. 1931 marschierten Truppen in die Mandschurei im Nordosten Chinas  ein und bauten ein Jahr später die rohstoffreiche Region zum japanischen Satellitenstaat Mandschukuo aus. 1937 lösten Grenzkonflikte erneut einen blutigen Krieg mit China aus. Zu dieser Zeit hatte sich Japan politisch- ideologisch bereits dem Deutschen Reich angenähert, was 1940 in den Abschluss eines militärischen Beistandspaktes mündete. Den deutschen Siegeszug in Westeuropa 1940 nutzte Japan, um seine Machtposition nun auch in Südostasien gegenüber den geschwächten europäischen Kolonialmächten auszubauen. Im Sommer wurde Französisch-Indochina erobert und unverhohlen Druck auf die Philippinen und Niederländisch-Ostasien ausgeübt.

US-Wirtschaftskrieg mit Japan

Der japanische Vormarsch nach Süden bedrohte zunehmend die englischen Stellungen in Südasien und  rief damit auch die USA auf den Plan, die seit 1941 in einem faktischen Bündnis mit Großbritannien standen, ohne sich offiziell als Kriegspartei zu offenbaren. Präsident Roosevelt steuerte seit 1939 entschlossen in Richtung Krieg. Er musste aber auf die pazifistische Grundstimmung in der Bevölkerung Rücksicht nehmen und ging deshalb sehr vorsichtig vor. Als Alternative zum Krieg beschlossen die USA zunächst harte Wirtschaftssanktionen gegen Japan. Im Juli 1941 froren die USA alle japanischen Guthaben in ihrem Land ein und verhängten zusammen mit England eine völlige Ölsperre über das Land. Eine Maßnahme, die auf Dauer einer kriegsführenden Nation das Genick brechen musste. Die USA glaubten deshalb den Feind in ihren Händen zu haben. In den folgenden Verhandlungen mit Japan waren sie kompromisslos und forderten den kompletten Rückzug aller Truppen.

Der Präventivschlag auf Pearl Harbor

Doch die Rechnung ging nicht auf: Japan tat das genaue Gegenteil und plante im Geheimen einen Präventivschlag gegen die USA:  den Überraschungsangriff am 7. Dezember 1941 auf Pearl Harbor.

Die Tarnung gelang den japanischen Kriegsplanern perfekt. Als japanische Piloten am 7. Dezember 1941 Pearl Harbor angriffen, war die US-Navy völlig unvorbereitet und leistete zunächst kaum Gegenwehr. Schutzlos waren die Kriegsschiffe im Hafen dem Bombenhagel ausgeliefert. Erst eine dritte Angriffswelle konnte von US-Flugzeugen abgewehrt werden. Am Ende  waren 14 Schlachtschiffe, Kreuzer bzw. Zerstörer versenkt oder schwer beschädigt und fast 200 Flugzeuge außer Gefecht gesetzt.

Ein Debakel für die USA und ein Triumph für Japan, das in der Folge die gewonnene Stärke gezielt nutzte, um weitere Tatsachen zu schaffen. Gleichzeitig mit dem Angriff auf Pearl Harbor begann die japanische Armee eine erfolgreiche Großoffensive im südostasiatischen Raum. Bis Mitte 1942 drangen japanische Einheiten scheinbar unaufhaltsam vor, von Thailand über Niederländisch-Indien bis nach Birma und Neu-Guinea. Auch Singapur, Hongkong und Teile der Philippinen wurden erobert, auch Australien war schon im Visier. Japan stand auf dem Höhepunkt seiner Macht.

Wendepunkt des Krieges

Die USA brauchten Zeit, den „Tag der Infamie“, so Präsident Roosevelt, zu verarbeiten und die japanische Aggression zu beantworten. Unter dem Schock der Ereignisse war die zerstrittene Nation über Nacht zusammengeschweißt und stand einmütig hinter ihrem Präsidenten, der zum obersten Kriegsherr der „freien Welt“ wurde. Nach dem Angriff klärten sich endgültig die großen politischen Fronten des Krieges. Unter der Führung der USA und Großbritannien besiegelten im Januar 1942 zunächst 26 Staaten offiziell im Namen der Freiheit ein Kriegsbündnis gegen die Achsenmächte Deutschland und Japan. Sie nannten sich „United Nations“ und waren die Keimzelle der späteren UNO.
Innerhalb kürzester Zeit mobilisierten die USA alle Militärressourcen des Landes. Unter dem Einsatz aller Mittel wurden die Feinde zurückgedrängt. Im Pazifik gelang im Juni 1943 in der Seeschlacht auf den Midwayinseln die Kriegswende. Insel für Insel befreiten die nun auf See und in der Luft überlegenen US-Truppen die besetzten Länder und schließlich 1945 auch Japan.

Mythos und Verschwörungstheorien Pearl Harbor

Bis heute ranken sich um das Pearl Harbor-Desaster wie um jedes einschneidendes Erlebnis Mythen und Verschwörungstheorien. Hartnäckig hält sich das Gerücht, Roosevelt wäre frühzeitig über den japanischen Angriff informiert gewesen und hätte aus politischen Gründen keine Gegenmaßnahmen ergriffen. Tatsächlich hatten amerikanische Geheimdienste Signale über einen bevorstehenden Angriff erhalten. Doch an Pearl Harbor dachte dabei keiner. Tausende von Kilometer von jedem Festland entfernt, glaubte man die Flottenbasis vor einem Angriff sicher. Heute ist klar: Die US-Verantwortlichen unterschätzten das japanische Militärpotenzial sträflich. Ein Fehler, den Tausende Menschen mit ihrem Leben bezahlten.

Der Münchner Christoph Marx ist Publizist und Lektor und lebt in Berlin. Er arbeitet als Autor und Redakteur für viele namhafte Verlage und veröffentlichte bzw. verantwortete inhaltlich zahlreiche Werke, v.a. zu historisch-politischen, gesellschaftlichen, sportlichen und kulturellen Themen.Referenzliste unter Autor und Redakteur/Lektor.

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