Diana Wandkunst

pixabay, CC0 Creative Commons

Als Prinzessin Diana am 31. August 1997 verunglückte, war ich in England. Plötzlich begegnete mir ein Land, das nichts mehr mit Tony Blairs „Cool Britannia“ zu tun hatte. Eine Trauerhysterie, die auch strikte Monarchiegegner erfasste. Eine Erinnerung.

Vor 20 Jahren habe ich mehrere Wochen an der englischen Universität Lancaster verbracht. Wie in diesen Jahren üblich war der Aufenthalt halb Abenteuer, halb Party und ein bisschen Studium. Das Meiste vergessen, verdrängt, verlebt. An diesen 31. August 1997 kann ich mich aber noch ganz genau erinnern, weil in der Radiosendung, mit der ich mich jeden Morgen wecken ließ, keine mehr oder wenige angenehme Pop-Nummer lief, sondern – klassische Musik. Trauermusik.

Nach einigen Minuten begriff ich, was die Radioleute mir mitteilen. Diana dead – car accident – Paris crash in a tunnel. Diana tot, alle sprachen davon, auch wenn sie nicht viel redeten. Es war ungewöhnlich still an diesem Tag im Seminar. Ach was, die ganzen nächsten Tagen waren strange, als ob die Menschen ein wenig neben sich standen. Auch ich. Mir war Diana immer herzlich egal, aber es war alles so anders. Nicht nur das Meer an Blumen an dem lokalen Rathaus, alle Geschäfte bekundeten Trauer. Diana tot – Tage davor haben wir uns noch lustig gemacht über die bunten Boulevard-Berichte über sie und ihren Lover Dodi.

Und jetzt redete plötzlich ein überzeugter linker Republikaner, wie unglaublich traurig er sei, obwohl er Diana eigentlich immer lächerlich fand und die königliche Familie missachtete. Er würde es selbst nicht verstehen. Und dann weiß ich noch, dass am Tag der Beisetzung alle Geschäfte geschlossen wurden, ja selbst der McDonald’s hatte dichtgemacht, aus Trauer. Ich wusste bis dahin nicht, dass auch solche Immer-irgendwie-offen-Buden aus „moralischen“ Gründen schließen können.

Die eigentliche Trauerfeier sah ich in Berlin im Fernsehen und habe dort zum ersten Mal ein paar Tränen verdrückt. Nicht bei der „Goodbye Rose“-Nummer von Elton John oder der Medienanklage ihrees Bruders, des Earl Spencer, sondern bei der klassischen Trauermusik “Song For Athene“ am Ende.

Dabei war sie mir immer noch herzlich egal.

Der Münchner Christoph Marx ist Publizist und Lektor und lebt in Berlin. Er arbeitet als Autor und Redakteur für viele namhafte Verlage und veröffentlichte bzw. verantwortete inhaltlich zahlreiche Werke, v.a. zu historisch-politischen, gesellschaftlichen, sportlichen und kulturellen Themen.Referenzliste unter Autor und Redakteur/Lektor.

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