Werbung Palmolive

Es gibt nur eine Tilly, Kultige Palmotive-Werbung aus den 1970er-Jahren

Werbung ist die ehrlichste Kunstform des Kapitalismus. In ihr spiegeln sich Sehnsüchte wie Gesellschaftsbilder der Zeit auf unterhaltsame Weise wider. Was man aus der Kindheit kennt, ruft heute Erstaunen und Lachreiz hervor. 6 kultige Werbeclips aus 70er- und 80er-Jahren, die es heute nicht mehr geben könnte – definitiv.


1. Allianz Lebensversicherung: Freitag, der 13.


Sentimentale Hintergrundmusik mit Ohrwurmcharakter und große volkstümliche Dichtkunst, vorgetragen mit salbungsvoller rührseliger Stimme: „Ich ging gleich hin zur Allianz/und sicherte Dein Leben/wir nannten Dich zum Glück noch Hans/so ging nichts mehr daneben“, und fertig war einer der Werbeclips mit dem größten Wiedererkennungswert. In den 1980er-Jahren, als dieser Spot und andere ganz gleich strukturierten Spots des bekannten Versicherungskonzerns regelmäßig zwischen den Mainzelmännchen durch die Bildröhre gejagt wurden, infiltrierte er in jedes empfängliche kinderliche Herz den Glauben an die Stabilität und Seriosität des deutschen Versicherungswesens in katholischen Händen. Heute wäre beides kaum mehr denkbar: ein Pfarrer in einem Werbeclip wie vor allem das Vertrauen in die lebenslange Sicherheit einer Lebensversicherung.

 

2. Dresdner Bank: Das grüne Band der Symphatie


Es soll Leute geben, die behaupten, dass Werbungen für Banken immer schon Desinformationsveranstaltungen gewesen sind. Und was ein grünes Band bzw. besser: eine grüne Schleife mit Symphatie zu tun haben soll, wirkt tatsächlich rätselhaft, ein Bild als Nebelkerze. Und dann ein gemütlicher Beamter mit einer Krankenkasse-Brille, der mit Augenaufschlag eine angespannt lockere Rede auf einen – Sensation – „bequemen Kredit“ hält und dabei dauernd auf eine überdimensionale Karteikarte zeigt. Das alles kommt einem heute vor wie aus dem Mittelalter. Und tatsächlich: Symphatie wagt heute selbst wohl der beste PR-Profi des Bankenwesens inzwischen nicht mehr mit einem Kreditinstitut in Verbindung zu bringen. Das ist doch ein erster Schritt zur Ehrlichkeit.

3. Palmolive – die ewige Tilly

Der klassischste Klassiker der Werbewelt aus den 1980er-Jahre, oder waren es doch eher 1970er-Jahre. Egal. Szenen für die Ewigkeit. Wo gibt es noch Frauen, die den Namen Tilly tragen? Und noch so aussehen. Brillante Dialoge. Unvergessliche Einstiege. „Hallo Tilly? „Na, fremdgegangen? „Aber, Tilly“, „Das sehe ich doch an ihren Händen“. Dazu ein Satz für die Ewigkeiten, den eine ganze Generation nur mit einem Bild verbindet. Wie nämlich eine Frau ihre Finger in Geschirrspülmittel taucht. „Sie baden gerade ihre Finger darin“. Nein, das ist so schräg, so völlig irre, das gibt es heute nicht. Vor allem gibt es heute keine Werbung mehr für Geschirrspülmittel. Die gibt es nämlich für Cent-Beträge in allen Drogeriemärkten in allen Varianten. Ob allerdings das wertvolle Protein überall dabei ist?

4. Jacobs Krönung – wunderbar für den Mann


Ja, das Verwöhnaroma, die Krönung. Das waren noch Zeiten, als die Frau brav zu Hause wartete, bis der Mann endlich fertig nachgedacht hatte und die gemeinsame Entscheidung verkündete. Wenn  die Frau auch nicht einmal einen richtigen Kaffee dem Hausherrn zubereiten kann, dann ist natürlich höchste Alarmstimmung. Da hilft nur noch Frau Sommer, nicht die Aufklärerin von Bravo, in Sexdingen sind diese Herrschaften wohl schon längst jenseits von gut und böse, nein, die Kaffee-Versteherin Karin Sommer, das Supergirl aller in Not geratenen Hausfrauen, immer mit dem richtigen Kaffee an der Hand, mmmh, wunderbar der mit dem Verwöhnaroma, die Krönung. Und wenn Frau sich weiter anstrengt, springt vielleicht auch der Luxusurlaub heraus. Aufschrei!

5. Die Milchschnitte – die kleine Milchmahlzeit 


„Einmal Milchschnitte, immer Milchschnitte“, sagte später Anke Huber, seines Zeichen in den 1980er-Jahre deutsche Weltklassetennisspielerin, die immer im Schatten der genialen Ballkönigin Steffi Graf stand. Immerhin hat ihr dieser rührende Werbespot geholfen, wenigstens außerhalb des Tennisplatzes im Rampenlicht zu stehen. Auch wenn es meist nicht vorteilhaft war, wie über sie geredet wurde. Zu groß die Vorlage für den Spott, dass ausgerechnet eine etwas unbeholfen wirkende, pummelige Sportlerin für eine Kalorienbombe Werbung macht. Die „Kleine Milchmahlzeit“ passt zu einem Sportler wie der Champagner für den Fußballfan. Das würde heute auch keiner mehr machen – weder ein Sportler noch Ferrero. Aber kennen tun sie noch alle, die Huber und die Milchschnitte.

6. „Ich habe heute Lust auf McDonalds“

So herrlich ehrlich und naiv mutet heute dieser Werbespot der amerikanischen Hamburgerkette an, die damals noch etwas wirklich Aufregendes war und heute dagegen wie ein Abbruchunternehmen aus finsteren Zeiten wirkt. Damals als Kinder noch fröhlich in das moderne Schnellrestaurant rannten, weil sie Lust auf Hamburger mit einem billigen Plastikverdeck hatten und mit großen Augen sehnsuchtsvoll an einem Strohhalm  einer großen Cola saugten. Heute haben spätestens Filme wie „Super size me“ McDoof auch kulturell und ästhetisch fast schachmatt gesetzt. Zumal der Döner um die Ecke inzwischen das preiswertere Junkfood ist und die Lust darauf wesentlich mehr ausgeprägt ist. Falls hier wieder jemandem „Islamisierung“ einfallen sollte; der Döner im Brot ist eine deutsche Erfindung. In der Türkei ist er verpönt.

Der Münchner Christoph Marx ist Publizist und Lektor und lebt in Berlin. Er arbeitet als Autor und Redakteur für viele namhafte Verlage und veröffentlichte bzw. verantwortete inhaltlich zahlreiche Werke, v.a. zu historisch-politischen, gesellschaftlichen, sportlichen und kulturellen Themen.Referenzliste unter Autor und Redakteur/Lektor.

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