Argentinien gegen Uruguay 1930 Finale WM

Szene aus dem Finalspiel Argentinien gegen Uruguay in Montevideo. (c) Picture-Alliance

Ein König, der selbstherrlich die Mannschaft aufstellte, und Schiedsrichter, die Schlips und Kragen trugen. Bei der ersten WM in Uruguay 1930 war noch vieles anders. Vor allem fehlten zahlreiche Mannschaften. Fast ganz Europa blieb zuhause.

Als Uruguay 1929 nach jahrelangem Gerangel den Zuschlag zur Austragung des ersten Fußballweltturniers erhielt, war das Europa herzlich egal. Der Kontinent stöhnte unter der Wirtschaftskrise. Die Fifa kassierte reihenweise Absagen aus dem Kreis der europäischen Länder. Zu teuer die Anreise und überhaupt die Südamerikaner, die können doch so was nicht organisieren.

Mit dem Dampfer über den Ozean
Ganze 13 Länder meldeten ihre Mannschaften an, sieben aus Südamerika und zwei aus Mittel- und Nordamerika. Qualifikationsspiele gab es keine – die Fifa war froh über jeden, der kam.

Immerhin gelang es Fifa-Boss Jules Rimet, seine Franzosen, die Belgier, die Jugoslawen und die Rumänen zu der zehntägigen gemeinsamen Schiffsfahrt nach Übersee zu überreden. Alle Mannschaften außer Jugoslawien tuckerten gemeinsam auf einem Dampfer über den Ozean. Auch die beiden europäischen Schiedsrichter waren dabei. Alles wurde für die Herrn Spieler hergerichtet. Damit sie trainieren konnten, wurde eigens das ganze Achterdeck freigemacht. Doch viel Training war nicht, der Transfer erinnerte mehr an eine Urlaubsfahrt: Die Jugoslawen schlugen sich vor allem den Bauch voll, und während die Rumänen insbesondere am Reck herumturnten, zockten die Franzosen Karten bis tief in die Nacht.

Königliche Rumänen
Kein Wunder, dass am Ende die Südamerikaner beim Turnier unter sich blieben. Den Rumänen half selbst königlicher Beistand nur wenig. König Carlos II. war fanatischer Fußballfan und hatte offiziell die Teilnahme seines Landes angeordnet. Nicht genug damit: Auch die Mannschaft stellte er höchstpersönlich zusammen. Seine Majestät ließ es sich sogar nicht nehmen, auch während der Spiele auf der Trainerbank Platz zu nehmen. Immerhin konnte er einen Sieg seiner Untertanen gegen Peru bejubeln.

Schießwütige Gastgeber
Das erste WM-Finale bestritten Uruguay und Argentinien. Das Duell der beiden Nachbarn ließ die Emotionen hoch kochen. Die Stimmung auf den Rängen war aufgeladen. Der Schiedsrichter John Langenus, standesgemäß gekleidet in Knickerbockern, Schlips und Kragen, verlangte eine Leibwache; sage und schreibe 1600 Schusswaffen waren beim Eintritt ins Stadion beschlagnahmt worden.

Ballspiele
Die 70.000 Zuschauer im nagelneuen Stadion von Montevideo sahen einen umkämpften Sieg der Gastgeber über Argentinien. Uruguay wurde der erste Fußball-Weltmeister. Dabei spielte auch das Spielgerät selber keine unwichtige Rolle. Beide Teams hatten nämlich zum Spiel ihren Ball mitgebracht. Für das Runde gab es noch keine einheitlichen Regeln. Ein Münzwurf entschied, dass in der ersten Halbzeit mit dem argentinischen Ball gespielt wurde. In der zweiten Halbzeit kam der wesentlich schwerere Ball aus Uruguay zum Einsatz. Die Gastgeber nutzten den Vorteil und machten nach der Halbzeit aus einem 1:2-Rückstand noch einen 4:2-Sieg.

[stextbox id=”info”] Das Standardwerk zur WM-Geschichte: Dietrich Schulze-Marmeling, Hubert Dahlkamp(2006) Die Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaft 1930-2006, Die Werkstatt, Göttingen. [/stextbox] Print This Post Email This Post Email This Post 

Der Münchner Christoph Marx ist Publizist und Lektor und lebt in Berlin. Er arbeitet als Autor und Redakteur für viele namhafte Verlage und veröffentlichte bzw. verantwortete inhaltlich zahlreiche Werke, v.a. zu historisch-politischen, gesellschaftlichen, sportlichen und kulturellen Themen.Referenzliste unter Autor und Redakteur/Lektor.

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