Fußball

pixabay/Creative Commons CC0

Ohne dass es eine breite Öffentlichkeit richtig mitbekommt, befindet sich der Sport ständig in einem Wandlungsprozess. Immer neue Sportarten entstehen, die vielleicht irgendwann olympisch werden. Größer, schneller weiter – und vor allem technischer? Sieht so der neue Sporttrend aus?

Studien gehen davon aus, dass Gesundheit und Fitness einen immer größeren Stellenwert bei den Menschen einnehmen werden. Bis ins hohe Alter körperlich und geistig beweglich und fit zu bleiben, ist schon heute eine Art Zivilreligion, der alle Massenmedien huldigen. Der gute alte Trimm-Dich-Pfad der 1970er-Jahre hat dabei längst ausgedient, auch der Fußballplatz nebenan reicht für die Stärkung der physischen Kondition schon lang nicht mehr. Viele Menschen wollen immer mehr, immer extremer Sport treiben: nicht mehr nur joggen, sondern am besten gleich einen Marathon laufen; nicht nur regelmäßig laufen und schwimmen, sondern gleich zum Ironman anmelden.

Technisierung und Digitalisierung

Dazu wird die Sportwelt immer technischer, was sich nach Meinung von Experten noch weiter verstärken wird. Virtuelle Bewegungsspiele, also interaktive Computerspiele, die über Sensoren am Körper gespielt werden, und der sogenannte E-Sport , also das wettkampfmäßige Austragen von Computerspielen im Multispielermodus, haben viele Anhänger gewonnen, gerade unter Personen, die mit dem konventionellen Sport sonst wenig anfangen können. Aber ist das wirklich ein Sport? Sonst könnte man beliebte Automaten-Online-Spiele wie Fishing Frenzy auch als Sport einstufen. Dass Sport nicht notgedrungen an Schweiß und Anstrengung gebunden sein muss, beweist das Beispiel des Schachsports. Und wer hätte vor 20 Jahren noch ernsthaft gedacht, dass eine vermeintliche Funsportart wie Beach-Volleyball sogar olympische Disziplin geworden ist, ein Sport, mit dem der nationale Medaillenspiegel aufpoliert werden kann. Im Endeffekt siegt Gesellschaft über Tradition. Bei anhaltender Popularität einer vermeintlichen Nischen-Sportart haben sich die Sportverbände der normativen Kraft des Faktischen zu beugen.

Individualisierung und Starkult

Dazu wirken sich auch die Medienrevolution und der damit verbundene Änderungen des Medienkonsums auf den Sport aus. Nicht nur ermöglichen Internet-Streams und Kommunikation über soziale Netzwerke direkte Ansprache und bewirken Omnipräsenz von Sportlern und Wettbewerb unabhängig von Ort und Zeit, was einen Starkult und entsprechende Gehälter fördert. Auch erleichtern neue Medienkanäle wie youtube die Popularisierung ganz neuer Sportarten von unten. So ist nicht auszuschließen, dass heute noch unbekannte Spiel- oder Sportformen ein MIllionenpublikum gewinnen.

Inwieweit auch die Rekordjagd insbesondere in den Leichtathletik-Wettbewerben ein natürliches Ende haben wird, ist seit jeher Streitobjekt der Sportwissenschaft. Lassen sich Trainingstechniken und – bedingungen soweit immer verfeinern, dass sich die Grenzen des menschlichen Körpers immer weiter verschieben? Der Erfolgsdruck auf die Sportler wird mit Sicherheit nicht abnehmen. Und damit gleichzeitig die Versuchung groß bleiben, die eigene Leistungsgrenze durch Doping immer wieder zu erweitern. Und das betrifft nicht nur die klassischen „Problemdisziplinen“ wie Leichtathletik, Schwimmen oder Radfahren.

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Der Münchner Christoph Marx ist Publizist und Lektor und lebt in Berlin. Er arbeitet als Autor und Redakteur für viele namhafte Verlage und veröffentlichte bzw. verantwortete inhaltlich zahlreiche Werke, v.a. zu historisch-politischen, gesellschaftlichen, sportlichen und kulturellen Themen.Referenzliste unter Autor und Redakteur/Lektor.

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