Karussell auf dem Oktoberfest

Ein traditionelles Karussell auf dem Oktoberfest in München /raging wire_ccc-Lizenz

Bierkathedralen, Fressbuden und Jahrmarktzauber: Sex, drugs und Blasmusik nach Münchner Art. Was heute oft wie ein beliebiges Event der globalisierten Spaßgesellschaft erscheint, wurzelt tief in der herrschaftlichen Tradition Münchens. Alles begann 1810, nicht mit Bier, sondern mit Pferden.

Wenn der Slogan vom „größten Volksfest der Welt“ auch Lyrik einer superlativsüchtigen PR sein mag , eines stimmt: Das Oktoberfest ist von seiner Herkunft her ein Volksfest. Ein Fest, entstanden aus dem Volk, wenn auch in königlicher Zeit zu königlichen Zwecken.

Anfänge des Oktoberfestes
Es war ein kleiner bürgerlicher Unteroffizier, der im Jahre 1810 den Vorschlag machte, die Hochzeit von Ludwig von Bayern und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen vor den Toren Münchens mit einem großen Pferderennen zu feiern. Und nicht der König. Der war allerdings so begeistert vom Zuspruch seiner Untertanen von den Rennen am 12. Oktober, dass er beschloss, nun jedes Jahr ein Fest stattfinden zu lassen. Zu Ehren der Braut erhielt der Festplatz den Namen „Theresens Wiese“. Bis auf Kriegsjahren fand nun in der Regel jedes Jahr die „Wiesn“ statt. Und sie wurde immer größer, bunter und umfangreicher.

Buden und Bier: größer, schneller, weiter
Ab 1819 wurde aus einer privaten Feierei eine offiziöse Angelegenheit der Stadt München. Immer mehr Buden und Karusselle zur Volksbelustigung kamen hinzu. Einmal im Jahr richtig die eigene Sau rauslassen zu dürfen, gehört zur katholischen Tradition. 1881 kam die erste Hendlbraterei zum Einsatz. Als Ende des 19. Jahrhunderts Münchens Brauereien aufgrund der großen Nachfrage begannen große Bierzelte mit Musikkapellen anstelle der kleinen Bierbuden zu errichten, nahm das Fest uns bekannte Konturen an. Bis heute haben nur sechs Münchner Traditionsbrauereien die Schanklizenz auf dem Oktoberfest – ein Millionengeschäft. 1899 wurde bereits der erste „Verband zur Bekämpfung betrügerischen Einschenkens“ gegründet. Bier ist in München schon immer eine bierernste Angelegenheit gewesen. 1938 wurde zum letzten Mal ein Pferderennen ausgetragen.

Biertrinker auf dem Oktoberfest

Fühlen wie der “Münchner im Himmel”/ 46137, ccc-Lizenz

O zapft is!
1950 wurde eine neue Tradition geschaffen: Mit Thomas Wimmer zapfte zum ersten Mal der Münchner Oberbürgermeister das erste Oktoberfestfass im Schottenhamel an. Seitdem ist es Tradition, dass jedes Oktoberfest durch den Anstich des erstes Fasses durch den Oberbürgermeister und mit den Worten “O’zapft is” eröffnet wird. Böse Zungen behaupten, dass das Einzige ist, was ein Münchner OB können muss, das erste Faß Bier auf der Wiesn perfekt anzuzapfen.

Oktoberfest global
Heute ist das Oktoberfest der vielleicht bekannteste Exportschlager Münchens. Fast überall auf der Welt werden in den Herbstwochen sogenannte „Oktoberfeste“ gefeiert, was vor allem kollektives Biersaufen in mehr oder weniger hässlichen Zelten bedeutet. Millionen von Gästen aus aller Welt stürmen jedes Jahr in den letzten beiden Septemberwochen nach München, um vermeintlich bayerische Lebensart zu feiern. Damit das Geschehen nicht vollends zum „Ballermann” degeneriert, darf seit 2005 erst ab 18.00 Uhr Partymusik in den Zelten gespielt werden. Dazu gibt es die “Oidn Wiesn” im Südteil des Geländes. Ein symbolischer Akt.

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Der Münchner Christoph Marx ist Publizist und Lektor und lebt in Berlin. Er arbeitet als Autor und Redakteur für viele namhafte Verlage und veröffentlichte bzw. verantwortete inhaltlich zahlreiche Werke, v.a. zu historisch-politischen, gesellschaftlichen, sportlichen und kulturellen Themen.Referenzliste unter Autor und Redakteur/Lektor.

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