Sean Connery James Bond

Wurde zum Kunstobjekt: Sean Connery als James Bond

Mit dem  langem Weggang von Sean Connery nach 1967 begann eine schwierige Phase der Orientierungssuche in der Bond-Familie. Nach dem Flop mit Lazenby fasste die Serie  mit Roger Moore wieder Fuß. Die Filme experimentierten mit den Vorgaben des Zeitgeistes, wurden bizarrer und schienen manchmal ihren inneren Halt zu verlieren. 

6.) Im Geheimdienst Ihrer Majestät (1969)

George Lazenby

Der Einmalbond George Lazenby/johanoomen flickr.com

Die Fakten: Regie: Peter Hunt; Produktion: Albert R. Broccoli/Harry Saltzman; Drehbuch: Richard Maibaum;  Kamera: Michael Reed.

Der Inhalt: In den Zwangsurlaub versetzt, entdeckt James Bond, dass sein Erzfeind Blofeld abgeschieden in einem Verlies in den Schweizer Alpen an der bakteriellen Verseuchung der Welt arbeitet. Zusammen mit dem Mafiapaten Draco zerstört Bond Blofelds Institut und heiratet Dracos schöne Tochter Tracy. Doch Blofeld ist entkommen.

Das Zitat des Filmes: „Das wäre dem Anderen nicht passiert“ (ironische Bemerkung von Lazenby am Anfang des Vorspanns).

Der bondigste Moment: Die spektakuläre Skiverfolgungsjagd nach der Flucht Bonds aus Blofelds Alpenfestung.

Die Wertung: Eine in jeder Hinsicht ungewöhnliche Serienfolge. Ein einzigartiger melancholischer Bond im Gewande der Flower-Power-Zeit. Fantastische Skiaction; fantastischer Score; ungewöhnliches, romangetreues Ende – leider mit einem überforderten Hauptdarsteller, der nicht nur im Schottenrock zu oft ein schiefes Bild abgibt.

 

7.) Diamantenfieber (1971)

Diamantenfieber

Diamantenfieber – grenzenlos/johannoman, flickr.com

Die Fakten: Regie: Guy Hamilton; Produktion: Albert R. Broccoli/Harry Saltzman; Drehbuch: Richard Maibaum, Tom Mankiewicz;  Kamera: Ted Moore.

Der Inhalt: Bond wird auf einen internationalen Ring von Diamantenschmugglern angesetzt, wobei er nach allerlei Merkwürdigkeiten wieder den geliebten Erzfeind Blofeld als Drahtzieher entlarvt: Dieser will mit Hilfe eines diamantenbetriebenen Lasersatellitens die Welt in eine atomare Katastrophe stürzen.

Der bondigste Moment: Bond wird bei lebendigem Leibe verbrannt, fast.

Das Zitat des Filmes: „Ein hübsches Nichts, das Sie da beinahe anhaben“ (Bond zu Tiffany Case)

Die Wertung: Ein absurder Zeitgeistfilm der tollen frühen 1970er-Jahre. Der Film ohne Handlung und Ziel, aber davon abgesehen ein riesiger Spaß. Man muss dabei allerdings Blofeld in Frauenkleidern mögen können. Und einen Connery, der seine Fleisch gewordene Trägheit nicht mehr zu überspielen versucht, sondern sie in seine Darstellung parodistisch einbezieht. Zwischen Camp und Trash.

8.) Leben und sterben lassen (1973)

Leben und Sterben lassen

Leben und sterben lassen – Filmplakat

Die Fakten: Regie: Guy Hamilton; Produktion: Albert R. Broccoli/Harry Saltzman; Drehbuch: Tom Mankiewicz;  Kamera: Ted Moore.

Der Inhalt: James Bond hat es mit dem Unterweltkönig Kanaga zu tun, der vom New Yorker Stadtteil Harlem aus auf Jamaika  mit seiner vodoogläubigen einheimischen Bevölkerung ein gigantisches Drogenimperium aufgebaut hat, mit dem er den weltweiten Handel kontrollieren will. Nach diversen Kämpfen mit Tieren und Natur kommt es am Ende zum großen Knall – und alles ist wieder gut.

Der bondigste Moment: James Bond entkommt spektakulär einem Haufen von hungrigen Krokodilen auf einer Krokodilfarm.

Das Zitat: „Namen sind was für Grabsteine“ (Kananga zu Bond, nachdem er sich zum ersten Mal vorgestellt hat)

Die Wertung: Zu den harten Beats von McCartneys Wings gibt Roger Moore einen starken Einstand, der tief den Zeitgeist von Black Power atmet. Spektakuläre Verfolgungsjagden zu Land und vor allem zu Wasser stehen neben einem eher schwachen Bösewicht. Der Film hat viele Kultmomente, aber für nicht Eingeweihte ist der ganze Vodoo-Hokuspokus manchmal doch ein wenig zu viel.

9.) Der Mann mit dem goldenen Colt (1974)

der Mann mit dem goldenen Colt

Das Duell Mann gegen Mann: Scaramanga gegen Bond/ cinema.de

Die Fakten: Regie: Guy Hamilton; Produktion: Albert R. Broccoli/Harry Saltzman; Drehbuch: Richard Maibaum, Tom Mankiewicz;  Kamera: Ted Moore.

Der Inhalt: Als dem britischen Geheimdienst eine goldene Pistolenkugel mit einer eingravierten 007 zugespielt wird, ist klar: Der gefürchtete Auftragskiller Scaramanga hat es auf James Bond abgesehen. Auf einer entlegenen Insel stehen sich beide schließlich Rücken an Rücken mit gezückter Waffe gegenüber. Wer den Kampf zweier Gentlemen schließlich überlebt, ist keine Überraschung.

Der bondigste Moment: Bond fliegt mit einem Wasserflugzeug die märchenhafte Felsinseln Thailands an.

Das Zitat des Films: „Eine Geliebte sollte nicht zwei Männern dienen“ (Scaramanga zu Bond)

Die Wertung: Ein leidenschaftlicher Berufskiller, der zusammen mit einem Zwerg dekadenst auf einer abseitigen Trauminsel im südostasiatischen Meer lebt, um von dort mit einem Solargenerator den Energiemarkt zu revolutionieren. Soso. Das Drehbuch schwankt ziel- und kraftlos zwischen Westernduell und zeitgenössischer Energiekrise. Traumhafte Locations und ein überragender Christopher Lee können eine gewisse Biederkeit und Lieblosigkeit in der Inszenierung nicht überdecken. Zu viel Fernsehen, zu wenig Kino.

[stextbox id=“info“] Der kurze Listenchek der Bond-Filme ist ein kleiner Ausschnitt aus einem größeren Textprojekt über Wesen von James Bond im Allgemeinen und im Besonderen. Es trägt den Arbeitstitel „Der Sinn von Bond 007“ und soll im Spätherbst nächsten Jahres zu Start von Bond 24 auf den Markt kommen. Vormerken also![/stextbox]

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Der Münchner Christoph Marx ist Publizist und Lektor und lebt in Berlin. Er arbeitet als Autor und Redakteur für viele namhafte Verlage und veröffentlichte bzw. verantwortete inhaltlich zahlreiche Werke, v.a. zu historisch-politischen, gesellschaftlichen, sportlichen und kulturellen Themen.Referenzliste unter Autor und Redakteur/Lektor.

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